Unsere Position zur Revision des Bündner Energiegesetzes

Im Februar 2020 wird in Graubünden über eine Teilrevision des kantonalen Energiegesetzes
entschieden. Es ist von grosser Bedeutung, dass mit dem neuen Energiegesetz die Voraussetzungen geschaffen werden, um unsere Klimaziele zu erreichen. Weder das aktuelle Gesetz noch die
geplanten Anpassungen erfüllen die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens, geschweige denn die Forderung des Klimastreiks nach «Netto Null 2030».

 

Es ist nun wichtig eine vernünftige und nachhaltige Teilrevision des Energiegesetzes auszuarbeiten. Vor allem im Gebäudesektor, der für rund einen Viertel der Bündner Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, besteht grosses Handlungspotenzial. Insbesondere in diesem Bereich werden Investitionen auf lange Zeit gemacht, deshalb ist es wichtig jetzt die richtigen Massnahmen zu ergreifen, um langfristig Kosten zu sparen. Es müssen die Auswirkungen jetziger Entscheidungen auf die Zukunft bedacht werden.

Wir haben Forderungen ausgearbeitet, die unserer Meinung nach notwendig sind um unsere Klimaziele zu erreichen und eine nachhaltige Entwicklung unseres Kantons zu gewährleisten. Diese Forderungen lauten wie folgt:

Ab 2021 müssen neu eingebaute Heizsysteme vollständig mit erneuerbaren Energieträgern
betrieben werden. Alternativ können Gebäude mittels Fernwärme aus zentralen Kraftwerken oder Abwärme aus Industrie versorgt werden.

  • Öl- und Gasheizungen sind auf eine Betriebsdauer von mindestens 20 Jahren ausgelegt. Da diese zur Erreichung der Klimaziele ohnehin vorzeitig ersetzt werden müssten, würden für den Hauseigentümer unnötige Mehrkosten entstehen, wenn dieser eine nicht erneuerbare Alternative einbauen würde.

  • In Chur werden bereits einige Gebäude mittels Fernwärme beheizt. Mit dem Bau einer Niedertemperaturleitung nach Chur könnte man unzählige zusätzliche Wohnhäuser mit Fernwärme versorgen.

 

Bei Neubauten oder umfangreichen Sanierungen müssen Gebäude ihren Energiebedarf durch Eigenproduktion zu mindestens 75% selbst decken können. Für die Installationskosten bis zu einer 100%igen Eigenverbrauchsdeckung sollen Einmalvergütungen durch die Öffentliche Hand zur Verfügung gestellt werden. Ausnahmen soll es nur geben, wenn eine 75% Deckung durch Eigenproduktion technisch unmöglich oder unter Berücksichtigung aller Kosten unverhältnismässig teuer ist, oder wenn dem Ortsbild gravierend geschadet wird. 

  • Es werden zusätzliche Kosten für die Öffentliche Hand anfallen, dies ist jedoch notwendig, um Anreize zu schaffen. 

  • Eine 75%ige Deckung des Eigenbedarfs ist heutzutage an vielen Standorten technisch umsetzbar.

  • Wenn die vom Hauseigentümer installierte Anlage über den Eigenbedarf hinaus Energie liefert, soll die Vergütung lediglich so hoch sein, wie sie bei einer 100%igen Eigenbedarfsdeckung ausgefallen wäre.

 

Bei umfangreichen Sanierungen des Daches oder der Fassade sollen unzureichend isolierte
Gebäude nach dem Stand der Technik isoliert werden. Ausnahmen soll es nur geben, wenn dies im Konflikt mit der Erhaltung schützenswerter Architektur steht. Es soll eine mögliche finanzielle Unterstützung durch die Öffentliche Hand in Betracht gezogen werden.

  • Der Energiebedarf würde durch diese Massnahme wirkungsvoll gesenkt.

  • Durch die Ausnahme soll sichergestellt werden, dass der Denkmalschutz nicht verletzt und wertvolle Architektur erhalten wird.

  • Das Isolieren mancher Gebäude kann sehr kostspielig sein und ist für manche Hauseigentümer nicht bezahlbar. Mit einer Unterstützung durch die Öffentliche Hand soll verhindert werden, dass manche Hauseigentümer aufgrund der zusätzlichen Kosten sich eine Sanierung nicht leisten können.

Spätestens bis zum Jahr 2030 müssen alle fossil betriebenen Heizungen durch erneuerbare Alternativen ersetzt sein. Ein Teil der Umrüstungskosten soll durch die Öffentliche Hand übernommen werden. Es ist Aufgabe der Politik zu gewährleisten, dass bis zu diesem Zeitpunkt die dafür nötige Menge an erneuerbarer Energie zur Verfügung steht. 

  • Diese Massnahme ist dringend nötig, um die Pariser Klimaziele und insbesondere die Forderung «Netto Null 2030» zu erreichen.

  • Es ist wichtig, dass die Umrüstung durch die Öffentliche Hand mitfinanziert wird, um Hauseigentümer bei der teils kostspieligen Umrüstung zu unterstützen.

 

Sämtliche ortsfeste elektrische Widerstandsheizungen sollen bis 2030 durch effizientere erneuerbare Alternativen ersetzt werden.

  • Widerstandsheizungen sind sehr ineffizient und verbrauchen unseren knappen Winterstrom. In Graubünden besteht in den Wintermonaten durch Feriengäste eine zusätzliche Nutzlast von elektrischen Wiederstandsheizungen, da viele Ferienhäuser mit eben diesen Heizungen ausgestattet sind.

  • Die Lebensdauer von Widerstandsheizungen beträgt ca. 25 Jahre. Da seit 2011 die Neuinstallation von Widerstandsheizungen untersagt ist, muss nur ein kleiner Teil der Widerstandsheizungen frühzeitig ersetzt werden.